Konstruktivistische Lerntheorie

Die konstruktivistische Lerntheorie dagegen besteht aus theoretischen Ansätzen, die ausschließlich Annahmen sind. Dabei werden vier verschiedene Ansätze unterschieden. Der Radikalkonstruktivismus, Individualkonstruktivismus, Sozialkonstruktivismus und der gemäßigte Konstruktivismus. Im Folgenden werden die Ansätze erläutert (Woolfolk & Schönpflug, 2008, S. 419ff):

Der Radikalkonstruktivismus geht davon aus, dass kognitive Prozesse auf den individualen Erfahrungen des Lernenden beruhen, und Wissen nicht beigebracht, sondern nur individuell erlernt werden kann.

Der Individualkonstruktivismus beschäftigt sich mit der Entwicklung der kognitiven Gebilde, die persönlich bei Erfahrungen mit der Umwelt entstehen. Dabei wird der Lernende als Individuum betrachtet, welches selbstständig aus seinen Erfahrungen lernt.

Der Sozialkonstruktivismus ergänzt den Individualkonstruktivismus durch die Aussage, dass das Individuum nicht nur selbst an seinen Erfahrungen lernt, sondern zusätzlich durch soziale Kontakte. Dabei sind die sozialen Interaktionen lehrreicher, als die persönlichen Erfahrungen.

Der gemäßigte Konstruktivismus ist gegen Aufforderungen zum Lernen. Die Theorie geht von einer Verlangsamung des Lernens durch solche Aufforderungen aus. Nach dem gemäßigten Konstruktivismus lernen die Lernenden anhand von Problemen. Sie sollen Lösungen finden zu realitätsnahen Problemen. Bestenfalls finden die Lernenden kooperativ mit anderen Personen mögliche Lösungswege. Diese Lernform des problembasierten Lernens ist nahe an dem kognitivistischen Falllernen angelegt. Wie beim Falllernen sind konkrete Situationen vorgegeben, anhand derer die Lernenden etwas lernen. Ziel des problemorientierten Lernens ist es, Lernumgebungen zu schaffen, in denen der Lernende vor Schwierigkeiten gestellt wird, die er im Austausch mit anderen lösen kann. Dabei werden keine bekannten Systematiken und Routinen verwendet, sondern produktives Denken gefördert. Walter Edelmann zeigte im Jahr 2000 fünf Arten des produktiven Denkens auf. Durch die Ansätze werden die Lösungen für die vorgegebenen Probleme gefunden. Im Einzelnen sind dies Probieren, Umstrukturieren, Strategieanwendung, Kreativität und Systemdenken (Edelmann, 2000, S. 225). Die Ansätze ermöglichen den Lernenden Probleme zu lösen, ohne konkrete Anweisungen zu erhalten. Für das Online-Lernen sind verschiedene Arten des Lernens denkbar. Eine Möglichkeit wäre, Problemsituationen darzustellen, und Variablen änderbar zu machen. Anhand der Auswirkungen von Änderungen einzelner Variablen auf das Gesamtsystem kann so ein Problem gelöst werden.

Auch das spielbasierende Lernen kann Problemsituationen erzeugen und den Lernenden animieren diese zu lösen. Beim problemorientierten Lernen steht nicht die reine Wissensvermittlung im Vordergrund, sondern die Befähigung selbstständig Wissen zu gewinnen sowie Lösungen für Probleme zu finden und später anzuwenden. Problematisch sind die Überprüfungen des Lernerfolges. Diese Prüfung kann nicht durch schriftliche Tests, sondern ausschließlich durch realitätsnahe Aufgaben erfüllt werden. Die Bewertung der gefundenen Lösung ist schwieriger, da keine Ideallösung vorhanden ist, anhand der das Ergebnis verglichen werden kann. Die Anwendungen der fünf Ansätze Edelmanns und der genutzte Weg müssen zudem berücksichtigt werden. Ein Vorteil des problembasierten Lernens ist, dass die Neugier des Lernenden leicht geweckt werden kann, und so eine intrinsische Motivation vorhanden ist.

Die innere Motivation erzeugt eine bessere Konzentration des Lernenden auf die gestellten Aufgaben. Daher können Bearbeitungsprozesse der Informationen optimal genutzt und die Erkenntnisse besser in das Langzeitgedächtnis gespeichert werden. Die konstruktivistische Lerntheorie bietet Ansätze des Lernens, die ohne viele Instruktionen auskommen. Der Lernende ist relativ frei in der Ausübung des Lernens und kann durch die vorgegebenen Problemsituationen einen Lernerfolg an der Lösung erzielen. Die Kommunikation mit anderen Personen, wie beispielsweise anderen Lernenden oder Lehrern, unterstützt den Lernprozess zusätzlich.
Die Veranschaulichung der vorhandenen drei Ansichten der Lerntheorie zeigt auf, dass verschiedene Wege für das Lernen möglich sind.

Aus allen drei Anschauungen können Erkenntnisse gewonnen werden, die dabei helfen optimierte Lernerfolge zu erzielen. Dabei ist entscheidend, welche Art von Lerninhalt wie zu lernen ist. Für das reine Auswendiglernen können behavioristische Ansätze genutzt werden. Soll das Wissen anwendungsbezogen sein, so werden der Kognitivismus und der Konstruktivismus angewendet.